Schrottgrenze

Schrottgrenze
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  • Samstag, 11. März 2017
  • Musik & Frieden
  • 19:00
  • 20:00

Veranstalter: Fremdveranstalter

Manchmal muss man die Fäuste recken. Und manchmal muss man sie weit öffnen, um mit vollen... mehr

Manchmal muss man die Fäuste recken. Und manchmal muss man sie weit öffnen, um mit vollen Händen Glitzer auf die Welt regnen zu lassen.

Schrottgrenze haben schon immer ihre eigenen Geschichten erzählt. Über Menschen und Gefühle und Hamburg, über 15 Jahre und sieben Alben, in den melancholischsten Ohrwürmern und den poppigsten Hymnen des Indierock. Nach ein paar Jahren Pause sammelten 2015 zwei Compilations die größten und die rarsten davon. Und jetzt erzählen sie mit Glitzer auf Beton ganz neue, die mindestens so lächelleicht ins Ohr gehen wie die alten und Köpfe, Finger und Zehenspitzen noch ein bisschen schwungvoller wippen lassen. Zwölf neue Stücke Gitarrenpop voller ungeduldiger Rhythmen und Umarmungsmelodien, wilder Stürme und jeder Menge Sonne, wie man sie von Schrottgrenze kennt und lieb hat. Nur dass es jetzt noch mehr glitzert als früher.

Dabei weiß, wer sich auf der bunten Seite Hamburgs bewegt, längst Bescheid. Kennt nicht nur Alex Tsitsigias, den Sänger von Schrottgrenze, sondern auch Saskia Lavaux, die Queen der queeren Partynächte. Alex und Saskia sind eins, so wie jeder Mensch mehrere ist und kaum einer in die alte Ordnung von Mann und Frau und nichts dazwischen passt. Darum geht es auf Glitzer auf Beton: Um Geschlechterkonstruktionen und die Freiheit, sie hinter sich zu lassen. Um eine Welt, unter deren grauer Oberfläche es in allen Farben leuchtet. Und um die Liebe natürlich, die sich sowieso nicht um Grenzen schert: „Wirf den Motor an / Wir fahren raus ins Queer Love Country.“

So mitreißend, wie das im Album-Opener klingt, glaubt man kaum, dass es bis dahin ein wenig gedauert hat. „Erst mit Ende 20 war ich in der Lage, mich zu outen“, erzählt Alex heute, „dabei wusste ich schon mit 15, was Sache ist. Aber ich habe meine Homosexualität immer sehr gedeckelt. Es hat lange gedauert, bis ich die Queerszene entdeckt und mich mein erstes Coming Out getraut habe.“ „Das Album richtet sich an Leute, die sich unsichtbar fühlen und auf der Platte dann wiederfinden“, sagt Alex. „Es richtet sich an alle, die die Queer Community unterstützen. Und es richtet sich auch an Leute, die Vorurteile und keinen Bock aufs Thema haben.“ Warum all dies nicht in den Songs einer Power-Pop/Indie-Rock-Band thematisieren? Wo doch alle wichtigen Geschichten in Musik gegossen gehören?

Glitzer auf Beton spielt da, wo Schrottgrenze schon immer spielen. In den runtergerockten Ecken von Hamburg, wo das Dulsberg Girl lebt, und manchmal, wie im nachdenklichen Schlaf die Schmerzen weg, auch einfach im Burnout-Bett. Es handelt von Menschen und Gefühlen, die sich alle ganz schön ähnlich sind, wenn man die Konstruktionen erst mal hinter sich lässt. Deshalb ist Glitzer auf Beton auch kein Alex- Album, sondern ein Schrottgrenze-Album. Alle vier Bandmitglieder haben zu gleichen Teilen mitgeschrieben, und mit Kristian Kühl, den man von Findus kennt, hat es ein guter Bandfreund produziert. Im Geiste dabei waren Laura Jane Grace und Against Me, die mit Transgender Dysphoria Blues das Queer Love Country des Punkrock bereitet haben, das Schrottgrenze jetzt in den Indie holen. „Es ist gar nicht so leicht, solche komplexen Themen in Popsongs zu erörtern“, sagt Alex. „Wenn ich von einem binären Geschlechtssystem spreche, ist das einfach nicht funky. Wir mussten erst eine Form finden, in der das für uns funktioniert.“

Glitzer auf Beton hat sie gefunden. Im leidenschaftlichsten Indierock und im umwerfendsten Pop. In kleinen Geschichten und großen Wahrheiten und in der ganzen lauten Hoffnung, die die leisen Zweifel frisst. In falschen Wimpern im Handschuhfach und echten Gitarren auf dem Rücksitz. In Ohrwürmern voller Handclaps und Mitsingrefrains, die nicht mehr aus dem Kopf gehen. In buntem Glitzer, der an allem hängenbleibt und immer dann wieder auftaucht, wenn es gerade zu grau ist:

„Wir fallen runter / Wie Glitzer auf Beton /
Und malen die Stadt so bunt / Wie wir eben sind.“

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